Naturwerk-Steinbrüche – Strategische Betrachtung

Betrachtet man die schweizerischen Vorkommen an Steinen und Erden, so gilt auch die Schweiz als reich an Rohstoffen. Allerdings wird der Zugang zu den mineralischen Rohstoffen in Helvetien, beispielsweise durch die Ausbreitung des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN), zusehends erschwert.

Ein Rohstoff aus dem Untergrund, der in der Schweiz ebenfalls prinzipiell in Hülle und Fülle vorhanden wäre, ist Natur(werk)stein. Natur(werk)stein wird seit Generationen genutzt. Aber auch sein Zugang ist im Zuge von überlagerten Nutzungsansprüchen mehr und mehr eingeschränkt.

Richtigerweise sind Natur(werk)steine wichtiger Bestandteil der Rohstoffversorgung der Schweiz. Der Naturstein-Verband Schweiz (NVS) ist auf diesen hohen Stellenwert des Rohstoffs Schweizer Natur(werk)stein stolz.

Faktor Zeit in der Raumplanung

Bis vor wenigen Jahren wurde Raumplanung primär dreidimensional erfasst, wahrgenommen und interpretiert: der Fokus lag auf der Länge, der Breite und der Höhe. Insbesondere die wissenschaftliche Arbeit der letzten Jahre hat in der Raumplanung zur Einsicht geführt, dass diese Sichtweise zu eingegrenzt ist: Einerseits muss die dritte Dimension «Höhe» auch mit «Tiefe» interpretiert werden und andererseits muss der Raumplanung zwingend der «Zeitfaktor» als vierte Dimension zugedacht werden.

Aktuell wird deshalb richtigerweise von verschiedensten Parteien akzeptiert, dass auch der Untergrund der Schweiz zentrale Bedeutung hat und grundsätzlich «raumgeplant» werden muss. Viele (politische) Akteure und Interessenvertreter nehmen sich dieser wichtigen «Raumplanung der Tiefe» an und berücksichtigen neu auch die Zeitachse – mitunter auch der NVS und mit ihm seine Steinbruch-Kommission SBK.

Ökologie im Zentrum

Der Abbau von Natur(werk)stein ist aus Sicht des «ökologischen Rucksacks» sehr vorteilhaft und sinnvoll – das Verhältnis von abgebauten und verwendetem Natur(werk)stein beträgt 1:1.2 – mit anderen Worten: fast alles, was abgebaut wird, kann auch gebraucht und verwendet werden. Der Abbau von Natur(werk)stein ist ein temporärer Eingriff in die Natur. Alte, eingestellte, nicht mehr genutzte Steinbrüche sind heute allesamt geschätzte Erholungsgebiete für Pflanze, Tier und Mensch.

Nachhaltigkeit und darüber hinaus

Indem der NVS der vierten Dimension «Zeit» grosse Wichtigkeit einräumt, unterstreicht er eindrücklich, wie der Fokus erweitert werden muss: Wir denken nicht nur an die Produktion und den Verkauf von Natur(werk)stein. Wir denken vielmehr zukunftsgerichtet, nachhaltig und setzen uns für eine faire Nutzung von Natur(werk)stein in der Schweiz in einem umfassenden Sinne ein:

  • Wir verhalten uns gegenüber überlagernden oder alternativen Nutzungsansprüchen fair, weil wir die langfristige Sicherung unserer Lebensgrundlagen vor Augen haben.
  • Wir schonen einheimische Abbaugebiete und setzen uns für deren Renaturierung mit sinnvollen Materialien ein; damit generieren die Schweizer Steinbrüche ökologischen Mehrwert.
  • Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr, indem wir die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz systematisch hoch halten und uns mittels Gesamtarbeitsvertrag für faire Arbeitsbedingungen in der Branche einsetzen.
  • Wir produzieren mit zeitgemässer Technik, weil die Qualität des Rohstoffs Natur(werk)stein langfristig gesichert sein muss.
  • Wir fördern die städtebauliche Konsistenz, wo auf Tradition gesetzt werden muss (Kulturdenkmäler, Heimatschutz), und unterstreichen damit die architektonische Bedeutung und Schönheit schweizerischer Natur(werk)steine.
  • Wir produzieren CO2-arm und setzen uns für die Verwendung einheimischer Natur(werk)steine ein, um zusätzliche CO2-Belastungen in anderen Ländern zu reduzieren.
  • Wir berücksichtigen die Anforderungen des Gesetzgebers sowie die Anliegen der Politik, indem wir die neutrale Aufklärung, die wissenschaftliche Forschung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit auf allen Stufen fördern.

Ziele des NVS

Natur(werk)stein ist nicht nur Rohstoff, er ist vielmehr Bodenschatz. Die Schweiz verfügt darüber grundsätzlich in rauen Mengen, versperrt sich aber den Zugang zu ihm. Es ist Ziel des NVS, den Zugang zum Bodenschatz Natur(werk)stein zu verbessern. «Reserven» und «Ressourcen» sind keine festen Grössen – im Gegenteil: sie sind aufgrund der heutigen Politiklandschaft äusserst volatil.

Es ist für die Schweizer Wirtschaft allgemein und für den NVS speziell von grosser Bedeutung, dass die Rohstoffversorgung mit Schweizer Natur(werk)stein zu einer verlässlichen und berechenbaren Grösse wird. Der NVS setzt sich deshalb dafür ein, dass Natur(werk)stein durch den Bund als Rohstoff anerkannt wird.

Unsere Industrie

Aktuell wird in der Schweiz in 71 Steinbrüchen Natur(werk)stein gewonnen. Die Natur(werk)stein-Industrie in der Schweiz ist mittelständisch organisiert. Sie ist wichtiger Bestandteil der Schweizer Wirtschaft, setzt auf ökologische Produktionsweise und lässt sich mit folgenden Eckdaten charakterisieren:

Abbau von Tonnen / m3 pro Jahr
ca. 0.5 Mio. / ca. 200‘000
(ca. 25‘000 Lkw-Fahrten)
Bewilligte Abbau-Vorräte in Tonnen
ca. 4.0 Mio.
Binnenmarktanteil in Prozent
ca. 90